Ausstellung vom 18.4.08 bis 4.5.08

grosser Wagen (Modell), 2007
Mit den Arbeiten von Giro Annen wird in der Ausstellungsreihe „Formsachen“ eine weitere Position gezeigt, die sich mit Blick für Alltägliches auf formalen Fragestellungen konzentriert.
Giro Annen formuliert in seiner Arbeit keine Ideen oder Gedanken. Er interessiert sich vielmehr für den Umgang mit Formen und mit Materialien. Banale Gegenstände oder Materialien aus dem Alltag dienen dem Künstler als Ausgangspunkt. So giesst er beispielsweise aufblasbare Kleiderbügel in Gips. Die Eigenschaften des Gegenstandes werden verfremdet. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird auf die Form gelenkt.
In einem umgekehrten Verfahren verwendet der Künstler Zeitungen oder Teile alter billiger Möbel, um mehr oder weniger abstrakte Skulpturen zu konstruieren. Das verwendete Material löst beim Betrachter zwar Assoziationen zum banalen Alltag aus, dennoch bleibt die Fragestellung des Künstler kunstimmanent.
Die Arbeit von Giro Annen scheint in einem ständigen Dialog zwischen Banalem, Alltäglichem und autonomen Formen der Kunst zu sein.
Viele seiner Werke sind das Resultat eines Abgusses oder eines Abdrucks. So entstanden in den letzten Jahren grössere Serien von Montotypien. Der Künstler trägt mit unterschiedlichen Instrumenten Farbe auf eine Platte auf und stellt davon einen einzigen Abzug her. Das Resultat kann während dem Druckprozess nicht mehr beeinflusst werden. Dem Künstler bleibt einzig die Entscheidung dieses zu akzeptieren oder zu verwerfen. Mehr Einfluss auf den Werkprozess hat der Künstler bei der Gruppe von Werken, die als „Schichtarbeiten“ aus Gips bezeichnet werden können. Ausgehend von einer anzustrebenden Form, beginnt der Künstler aus Wellkarton Formen auszuschneiden. Die bearbeiteten Stücke werden aufeinander geschichtet und zusammengeklebt, sodass eine Negativform entsteht. Damit der Künstler während dem Produktionsprozess die entstehende Form beurteilen und wenn nötig ändern kann, werden die ausgeschnittenen Formen ebenfalls aufeinander geschichtet. Die vollendete Negativform wird schliesslich mit Gips ausgegossen. Beim Entfernen des Wellkartons bleiben Reste an der Gipsskulptur, so dass man Positiv und Negativ nicht klar unterscheiden kann. Es entsteht der Eindruck, als ob die Skulptur aus mit Gips zusammen gehaltenen Kartonscheiben bestünde.
Das Resultat wirft beim Betrachter Fragen zum Entstehungsprozess auf.
Der Arbeitsprozess der Übertragung – sei dies durch Abguss, Abdruck oder Verwendung von Materialien aus einem anderen Kontext – scheint in Giro Annens Schaffen zentral zu sein. Zwar gibt es Spuren von etwas Realem in seinen Werken, doch verlieren sich diese oft gerade wegen der Übertragung in ein neutrales Material. Auch die Abwesenheit der Farben in vielen seiner Arbeiten betont die Konzentration auf die Form. Der Künstler fokussiert seine Aufmerksamkeit auf formale Fragen, ohne den Bezug zum Alltäglichen aus den Augen zu verlieren.